Die
Technik im Passivhaus
Ein Passivhaus braucht 90% weniger Energie als der Gebäudebestand;
ein Passivhaus bietet maximalen thermischen Komfort; in
einem Passivhaus herrscht stets verblüffend gute Luftqualität;
ein Passivhaus kostet kaum mehr als ein vergleichbares konventionelles
Gebäude. Gibt es noch Gründe für den Bau
anderer Häuser?
Bsp:
Passivhaus Fam. Rombach
Beheizte Wohnfläche 157 m2
Heizenergiekennz. 14 kWh/m2a
Thermische Solaranlage 7 m2
Jährliche Energiekosten für Warmwasser und Heizung
ca. EUR 127,–
Wohl kaum, schenkt man den Experten auf diesem Gebiet Glauben.
Obwohl sich die Zahl der gebauten Passivhäuser jährlich
vervierfacht, befinden wir uns bestenfalls im Stadium der
Vorreiter. Und dieses Stadium hat es so an sich, daß
zwar keine Prototypen mit Kinderkrankheiten mehr in Kauf
genommen werden müssen, daß man aber doch zumindest
erst im Begriff ist, praktikable von wirklich guten Lösungen
zu unterscheiden. Dies gilt für die Baukonstruktionen
genauso wie für die Haustechnik.
Passivhäuser haben eine Lüftung, das weiß
man. Passivhäuser haben keine Heizung, das weiß
man auch, stimmt aber nicht. Passivhäuser weisen nur
einen so geringen Heizwärmebedarf auf, daß er
mit Hilfe des ohnehin installierten Lüftungssystems
eingebracht werden kann. Damit wäre das Konzept schon
beinahe definiert; festzulegen sind nur noch die Details.
Fangen wir bei der Lüftungstechnik an: zwei Gründe
sprechen für eine „trockene Rückwärmezahl“
(auch Wirkungsgrad der Wärmerückgewinnung) über
75%: einmal sollen die Lüftungswärmeverluste so
gering als möglich gehalten werden, zum zweiten ermöglicht
dieser Wert in Zusammenhang mit einer Außenluftvorwärmung
im Erdreich ganzjährig Zulufttemperaturen über
17°C, was eine zugfreie Einbringung der Zuluft garantiert.
Dies ist erstaunlicherweise sehr wichtig, da im Passivhaus
bei Außentemperaturen von –10°C oft gar
kein Heizbedarf besteht: es ist kalt und klar und die Sonne
heizt das Haus. Wenn nun eine „schlechte“
Wärmerückgewinnung installiert ist, muß
die Zuluft nacherwärmt werden, nur um Zugerscheinungen
zu verhindern. Im Fall eines Wärmepumpeneinsatzes wird
die Luft unnötigerweise gar auf 45°C erwärmt.
Die zweite lüftungstechnische Kennzahl liefert der
Stromverbrauch der Ventilatoren: für einen in der Stunde
beförderten Kubikmeter (m3/h) Zu- und Abluft sollen
nicht mehr als 0,4 W eingesetzt werden: ein durchschnittliches
Einfamilienhaus wird mit 160 m3/h belüftet: 64 W Stromeinsatz
für beide Lüfter inkl. Umwandlungsverluste müssen
genügen. Eingehalten wird dieser Grenzwert durch den
Einsatz von Gleichstromventilatoren und niedrigen luftseitigen
Druckverlusten. Dies gilt für den Erdreichwärmetauscher,
für das Rohrleitungssystem, aber vor allem auch für
das Lüftungsgerät selbst.
Der schon erwähnte Erdreichwärmetauscher (EWT)
liefert nicht nur wertvolle Gratisenergie aus dem Wärmespeicher
Erde, sondern verhindert in der sehr kalten Jahreszeit die
Vereisung der Wärmerückgewinnung: gelangt Außenluft
mit Temperaturen unter –5°C in die WRG, so gefriert
je nach Rückwärmezahl das in der Abluft entstehende
Kondensat. Für solche Fälle gibt es zwar auch
technische Lösungen, jedoch besudeln diese oft die
Gesamtenergiebilanz eines Passivhauses: die Außenluft
müßte anstelle des EWT direktelektrisch vorgewärmt
werden; oder aber der Zuluftvolumenstrom wird soweit reduziert,
daß sich die Abluft nicht zu stark abkühlt. Dadurch
wird aber die WRG zumindest teilweise deaktiviert.
Spannend wird es nun bei der Wärmeerzeugung. Zur Auswahl
stehen alle konventionellen Energieträger, Holz, Pellets,
Direktstrom, aber auch Strom für kleine Wärmepumpen.
Und – alles ist möglich. Direktstrom klammern
alle Ökologen und Betriebsökonomen aus; der Rest
ist eine Kostenrechnung und Sympathiefrage. Manche Kleinstwärmepumpen
sind mittlerweile so weit entwickelt, daß Jahresarbeitszahlen
relevant oberhalb der Primärenergiekennzahl erarbeitet
werden.
Das heißt: für eine investierte kWh Strom werden
ca. 3,5 kWh thermische Energie geerntet. Das paßt
ökologisch wie ökonomisch, trotzdem stellt es
kein „Alleinstellungsmerkmal“ dar. In vielen
Fällen, vor allem im Einfamilien- und Reihenhausbereich,
sind aber damit die niedrigsten Investitionskosten verbunden.
Begünstigend kommt hinzu, daß eine solche Wärmepumpe
auch gleichzeitig für die Brauchwassererwärmung
genutzt werden kann – in Kombination mit einer Solaranlage
eine absolut ökologische und kosteneffiziente Lösung.
Die Haustechnik im Passivhaus kostet nicht mehr als jene
eines konventionell beheizten Hauses.
Erfahrungen liegen mittlerweile von mehr als 100 Bewohnern
eines Passivhauses mit Kleinstwärmepumpe vor. Nach
einer Umfrage wird dabei die extrem hohe Effizienz, der
geringe Platzbedarf, die Unabhängigkeit von Brennstofflieferungen
und die einfache Handhabung der Haustechnik sehr hoch geschätzt.
Alle anderen Erfahrungen sind nicht wärmepumpen-, sondern
passivhausspezifisch: Begeisterung bezüglich Luftqualität
und thermischem Komfort, extrem niedrige Betriebskosten.
Tatsächlich wurde bei dieser Umfrage kein negatives
Statement abgegeben, was vielleicht aber auch daran liegt,
daß ein Bauherr mit seinem Werk grundsätzlich
zufrieden sein möchte. Ein passivhausspezifisches Manko
ist die Aufheizsituation im Winter: wird das Gebäude
während der Heizperiode fertiggestellt, so wird –
wie in allen Bauten - sehr viel Energie benötigt, um
die Masse zu erwärmen. In einem konventionell beheizten
Gebäude besitzt die Heizung in der Regel die erforderliche
Reserve – in einem Passivhaus funktioniert das nicht;
hier muß ggf. auf Direktstrom zurückgegriffen
werden.
Trotz dieser sehr guten Resonanzen: ein Gebäude wird
genau so wenig durch eine Kleinstwärmepumpe ein Passivhaus,
wie durch ein spezielles Fenster oder den Einsatz von 35
cm Wärmedämmung. Ein Passivhaus ist ein Produkt
aller erforderlicher Komponenten und deren einwandfreier
Ausführung. Die Fachleute für winddichte Konstruktionen,
wärmebrückenfreie Ausführungen und effiziente
Haustechniksysteme sind noch in der Minderzahl. Das Passivhaus
wird sich nicht über eine einzelne, revolutionäre
Entwicklung durchsetzen: begeisterte Bewohner, das schnelle
Lernen aus Erfahrungen, immer ausgereiftere Produktentwicklungen
und vor allem gewerkübergreifende Kompetenz bei den
Fachleuten werden die entscheidenden Faktoren darstellen.
© Drexel & Weiss
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